FTL und LTL - Definitionen
FTL (Full Truck Load) bezeichnet einen Komplettladungstransport: Ein Absender bucht den gesamten Auflieger von Haus zu Haus. Der Fahrer fährt direkt vom Verladeort zur Lieferadresse, ohne Zwischenstopps oder Umladungen.
LTL (Less Than Truckload), im deutschen Sprachraum als Stückgut oder Sammelgut bekannt, bedeutet: Ihre Ladung teilt den Sattelauflieger mit Sendungen anderer Versender. Der Spediteur konsolidiert die Frachten an einem Umschlaghub und verteilt die Kosten auf mehrere Auftraggeber.
Wie funktioniert die Preisgestaltung?
Die Kalkulationslogik unterscheidet sich grundlegend zwischen beiden Optionen - und genau das bestimmt den wirtschaftlichen Wendepunkt.
Bei FTL zahlen Sie einen festen Preis für den gesamten LKW, unabhängig vom tatsächlichen Beladungsgrad. Ob Sie 6 LDM oder 13,6 LDM auf der Strecke Warschau nach Hamburg laden - der Preis bleibt gleich. Die Stückkosten pro LDM sinken proportional mit wachsendem Volumen.
Bei LTL wird der Preis je Lademeter (LDM) oder je Palette berechnet. Jede zusätzliche Palette erhöht die Rechnung linear. Ab einem bestimmten Volumen nähert sich der kombinierte LTL-Preis dem FTL-Preis an und übersteigt ihn schließlich.
Laufzeit - entscheidend für die Planung
FTL ist ein Direkttransport. Der Fahrer fährt von A nach B ohne unnötige Aufenthalte. Typische Laufzeiten auf europäischen Strecken betragen 1-2 Werktage.
LTL erfordert Konsolidierung und Dekonsolidierung an Umschlagterminals. Ihre Sendung kann einen oder mehrere Zwischenterminals durchlaufen, bevor sie beim Empfänger ankommt. Standardlaufzeiten liegen bei 3-5 Werktagen, bei abgelegeneren Orten auch länger.
Beschädigungsrisiko und Verzögerungen
Jeder Umschlag ist ein zusätzliches Risikoereignis. Im Stückgutverkehr wird eine Sendung mehrfach angefasst: beim Versender, am Konsolidierungshub, am Zielhub und bei der Endauslieferung. Bei vier oder fünf Umschlagvorgängen ist die statistische Wahrscheinlichkeit von Beschädigungen höher als beim einmaligen Be- und Entladen im FTL.
Verzögerungen im LTL-Verkehr summieren sich. Wenn eine Sendung das Hub-Zeitfenster verpasst, muss der gesamte Sammelzug auf den nächsten verfügbaren Slot warten. Bei FTL entstehen Verzögerungen ausschließlich durch streckenbezogene Faktoren wie Stau, Grenzabfertigung oder Fahrzeugpanne.
Ab wie vielen LDM lohnt sich FTL?
Diese Frage stellt sich jeder Disponent bei der Auftragsplanung. Die Antwort hängt von der konkreten Relation und den aktuellen Marktpreisen ab, aber es gibt eine in der Branche bewährte Faustregel:
Ab 6-8 LDM sollten Sie stets den FTL-Preis mit dem LTL-Angebot vergleichen.
Bei 6 LDM nähert sich der kombinierte LTL-Preis oft der Hälfte des FTL-Preises. Bei 8 LDM ist der Unterschied in der Regel gering oder kippt zugunsten von FTL. Ab 10 LDM ist FTL fast immer die günstigere Wahl, sobald Sie Umschlagzuschläge, Versicherung und Verzögerungsrisiko einberechnen.
Entscheidungsmatrix - wann FTL, wann LTL
| Kriterium | FTL | LTL (Stückgut) |
|---|---|---|
| Ladungsvolumen | Ab 6-8 LDM | Bis 6 LDM |
| Laufzeit | 1-2 Tage (direkt) | 3-5 Tage (über Hubs) |
| Preismodell | Pauschale pro LKW | Pro LDM / Palette |
| Beschädigungsrisiko | Gering (1 Beladung) | Höher (mehrere Umschläge) |
| Empfindliche / hochwertige Ware | Ja - empfohlen | Nein - erhöhtes Risiko |
| Terminflexibilität | Hoch (auf Abruf) | Eingeschränkt (Abholzeitfenster) |
| Kleinsendungen 1-3 Paletten | Unwirtschaftlich | Optimal |
Wann FTL wählen
- Die Sendung überschreitet 6 LDM, insbesondere bei Berücksichtigung von Umschlag- und Risikokosten
- Die Güter sind empfindlich oder benötigen besondere Transportbedingungen (Temperatur, ADR, Gefahrgut)
- Der Liefertermin ist verbindlich und Verzögerungen sind nicht akzeptabel
- Hoher Warenwert - die Versicherung bei FTL ist einfacher und in der Regel günstiger
- Volle Transparenz erforderlich: ein Fahrer, ein Fahrzeug, ein CMR-Dokument
Wann LTL wählen
- Die Sendung umfasst bis zu 4-6 LDM und ein ganzer LKW wäre unwirtschaftlich
- Die Güter sind standardisiert, unempfindlich und benötigen keine besonderen Handlingbedingungen
- Das Lieferfenster ist flexibel und einige Tage mehr spielen keine Rolle
- Regelmäßiger Versand kleinerer Volumina mit Kostenteilung unter mehreren Absendern
Wie berechnet man die LDM der eigenen Ladung?
Bevor Sie einen Spediteur anrufen, berechnen Sie Ihre Lademeter. Sie benötigen nur die Abmessungen Ihrer Paletten oder Kisten:
LDM = (Länge x Breite) / 2,4
Beispiel: 10 Europaletten (120 x 80 cm) ergeben 10 x 0,40 = 4,0 LDM. Diese Sendung passt gut ins Stückgut. Aber 20 Europaletten entsprechen 8,0 LDM - hier lohnt sich eine FTL-Anfrage, da der Preis vergleichbar oder sogar günstiger sein kann.
Unser kostenloser LDM-Rechner führt diese Kalkulation in Sekunden durch und hilft Ihnen, die optimale Transportoption für Ihre Ladung zu ermitteln.